Studie zu sozialer Teilhabe

Sozialbericht Bonn veröffentlicht – Studie zu sozialer Teilhabe zeigt soziale Probleme auf den zweiten Blick

Die xit berechnet in einer Studie zu sozialer Teilhabe für die Caritas und Diakonie Bonn den Teilhabeindex auf Ebene einzelner Stadtviertel. Damit deckt die Studie eine gravierende Kluft bei den sozialen Teilhabechancen in der Stadt Bonn auf.

Zweiter Blick auf Statistik

„Ich stehe Statistiken etwas skeptisch gegenüber. Denn laut Statistik haben ein Millionär und ein armer Kerl jeder eine halbe Million.“ Mit diesem Zitat hat Franklin D. Roosevelt durchaus recht. Genau deshalb lohnt sich auch ein kritischer „zweiter Blick“ auf Sozialstatistiken. Auch wenn, wie in der Stadt Bonn, auf den ersten Blick alles gut aussieht: Die Gewerbesteuereinnahmen liegen, pro Einwohner gerechnet, deutlich über dem Durchschnitt von Nordrhein-Westfalen. Bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung wurde ein historischer Höchststand erreicht. Damit stehen die Stadt Bonn und Ihre Einwohner doch wunderbar da – oder?

Studiendesign zur Messung sozialer Teilhabechancen

Der Caritas und der Diakonie aus Bonn war bewusst, dass dieses glänzende Bild der Stadt Bonn nicht die tatsächliche soziale Situation aller Einwohner abbildet. Deshalb haben sie bei uns – der xit GmbH – eine Studie zur sozialen Teilhabe in Bonn in Auftrag gegeben. Ziel der Studie ist es die sozialen Teilhabechancen in Bonn wissenschaftlich zu erfassen. In unserer Studie haben wir die soziale Teilhabe mit einem multidimensionalen Vorgehen auf Ebene einzelner Stadtviertel gemessen. Dabei werden mit Hilfe eines kleinräumig berechneten Teilhabeindex soziale Brennpunkte im Stadtgebiet nicht nur identifiziert. Es ist auch möglich die Schere im Bezug auf soziale Teilhabe und Teilhabechancen zwischen den einzelnen Stadtvierteln auf einer Skala darzustellen. Konkret haben wir die folgenden Teilaspekte sozialer Teilhabe für 62 einzelne statistische Bezirke in unserem Teilhabeindex berücksichtigt. Die zugrundeliegenden Daten stammten jeweils aus amtlichen Quellen.

Übersicht der berücksichtigten Aspekte für die Berechnung des Teilhabeindexes

Übersicht der berücksichtigten Aspekte für die Berechnung des Teilhabeindexes

Zentrale Ergebnisse der Studie zu sozialer Teilhabe in der Stadt Bonn

Der Sozialbericht für die Stadt Bonn macht leider deutlich, dass das eingangs erwähnte Zitat durchaus zutrifft. Die Stadt Bonn als Ganzes steht im Bezug auf die soziale Teilhabe, wirklich gut da. Dies gilt auch im überregionalen Vergleich. Im Vergleich des Teilhabeindexes auf geografischer Microebene offenbart sich, aber eine gravierende Spreizung zwischen den einzelnen Stadtvierteln.

Teilhabeindex macht Unterschiede zwischen Stadtteilen deutlich

Der Teilhabeindex kann rechnerisch Werte zwischen 0 und 100 Punkten annehmen. Dabei entsprechen 100 Punkte einer maximal möglichen sozialen Teilhabe. Für die 62 statistischen Bezirke in Bonn liegen die Indexwerte zwischen 14,4 und 89,2 Punkten. Stellt man sich die Indexwerte als einen Meterstab vor, so liegen knapp 75 cm zwischen den statistischen Bezirken mit den höchsten und den niedrigsten Teilhabechancen. Für die sozialen Teilhabechancen der Bonner Bürger bedeutet dies allerdings, dass sprichwörtlich ganze Welten zwischen unterschiedlichen Stadtvierteln liegen. Dies wird in der Studie zu sozialer Teilhabe durch die Kurzporträts von 10 statistischen Bezirken deutlich. Wir haben sowohl Bezirke vom oberen als auch unteren Rand der Skala porträtiert. Dort wird anhand von harten Fakten die jeweilige Lage vor Ort eindrücklich beschrieben und soziale Brennpunkte sichtbar gemacht.

Verteilung des Teilhabeindex in der Stadt Bonn

Verteilung des Teilhabeindex in der Stadt Bonn

Gezielte Förderung statt Gießkannenprinzip

Dabei soll die Studie zu sozialer Teilhabe allerdings in keinster Weise einzelne Stadtteile oder deren Bewohner stigmatisieren. Vielmehr geht es darum, die Entscheider vor Ort auf reale Problemlagen aufmerksam zu machen. Und damit letztendlich dafür zu sorgen, dass die stets knappen Ressourcen zur Abmilderung der Folgen sozialer Ungleichheit dorthin geleitet werden, wo sie am dringendsten gebraucht werden. So stellt auch Jörn Unterburger (Sachgebietsleitung Sozialberatung Caritasverband für die Stadt Bonn) im Interview fest: „Wo es Defizite gibt, muss mehr gefördert werden und nicht nach dem Gießkannenprinzip.“

Mehr Informationen und weiterführende Links

Den gesamten Sozialbericht für die Stadt Bonn können Sie hier lesen: https://www.soziales-bonn.de/soziale-probleme-auf-den-zweiten-blick/

Sie wollen mehr über den Teilhabeindex der xit GmbH, die dahinterstehende Methodik, mögliche Anwendungsfelder und die sozialpolitische Aussagekraft dieses Instruments erfahren?

Dann finden Sie hier eine ausführliche Beschreibung zu unserem Teilhabeindex.

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