Wie können Organisationen der Sozialwirtschaft Nachhaltigkeit messen?

Der Artikel erschien zuerst in neue caritas Ausgabe 05/2021.

Das Thema „Nachhaltigkeit“ hat in den letzten Jahren auch in der Sozialwirtschaft in Deutschland einen Bedeutungszuwachs erfahren. Sozialwirtschaftliche Organisationen berücksichtigen diesen Aspekt zunehmend als relevante Kategorie bei der strategischen und operativen Steuerung ihrer Organisationen und verpflichten sich selbst zu nachhaltigem Handeln. Dabei sind soziale Organisationen ein wichtiger Partner der Politik bei der Erreichung staatlicher Ziele in der Klimapolitik, weil sie als Branche insgesamt über zahlreiche Immobilien, Fahrzeuge und erhebliche Einkaufsvolumina verfügen.

Herausforderungen in der praktischen Umsetzung

Allerdings stehen viele soziale Organisationen vor der Frage, wie man Nachhaltigkeit konkret auf den verschiedenen Organisationsebenen misst, steuert und kontrolliert. Denn häufig fehlt es noch an Know-how, einfach handhabbaren Instrumentarien, einer brauchbarer Datenbasis, um Ziele und Fortschritte im Nachhaltigkeitscontrolling abbilden zu können sowie Anreizen für die erforderlichen Investitionen. Dies erschwert einen Strukturwandel hin zum nachhaltigen Wirtschaften in der Sozialbranche.

Ansätze zum Nachhaltigkeitscontrolling

Inzwischen finden sich einige Leitfäden und Konzepte, die Organisationen dabei unterstützen sollen, allgemeine politisch-programmatische Ziel- und Absichtserklärungen so zu operationalisieren, dass ein Controlling des Nachhaltigkeitsmanagements möglich wird:

a) 3-Säulen-Modell

Konzeptionelle Grundlage der meisten Konzepte ist das sog. 3-Säulen-Modell[1], das die gleichzeitige und gleichberechtigte Umsetzung von umweltbezogenen, wirtschaftlichen und sozialen Zielen postuliert. Das 3-Säulen-Modell ist zwar heuristisch hilfreich und nachvollziehbar, es liefert allerdings (so auch die Kritik) kaum operationalisierbare Zielvorgaben oder für das Controlling konkret nutzbare Kennzahlen.

b) Gemeinwohlbilanz

Die Gemeinwohlbilanz, bricht einzelne Aspekte des Nachhaltigkeitsmanagements auf Indikatoren herunter, um die Teildimensionen Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung & Transparenz für verschiedene „Berührungsgruppen“ (u.a. Geldgeber, Mitarbeiter, Kunden) zu bewerten.

c) Deutscher Nachhaltigkeitskodex (DNK)

Außerhalb der Sozialwirtschaft kommt dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) eine besondere Bedeutung zu. Wie die Gemeinwohlbilanz beruht er ebenfalls auf einer Selbstbeschreibung und -einschätzung. Die Berichtsstandards werden mit 20 DNK-Kriterien umgesetzt (z.B. Strategie, Wesentlichkeit, Verantwortung, Ressourcenmanagement, Chancengerechtigkeit, Anreizsysteme, Ziele und klimarelevante Emissionen).

d) Sustainability Balanced Score Card

Näher am klassischen Controlling ist der Ansatz der Sustainability Balanced Scorecard (SBSC), der eine Erweiterung des ursprünglichen BSC-Ansatzes von Kaplan & Norton (1992) darstellt. Dabei werden die vier Steuerungsperspektiven Finanzen, Markt, Prozesse und Lernen um eine außermarktliche Perspektive ergänzt, die die Wirkungen sozialer und ökologischer Aspekte auf Reputation, Legitimität und intangible Werte eines Unternehmens beschreiben.

e) Sustainable Return of Invest (SROI 7)

Auch das Konzept des SROI lässt sich um die Perspektive „Nachhaltigkeit“ zum Sustainable Return of Investment erweitern. Hier geht es um impacts, effects und outcomes, die durch Investitionen in ökologische, gesundheitsbezogene und soziale Nachhaltigkeit evoziert werden. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Wirkungen Investitionen in Nachhaltigkeit für verschiedene Stakeholder (z.B. Klienten, Mitarbeiter) sozialer Organisation haben.

5. Fazit

Das Thema Nachhaltigkeit ist für soziale Dienstleister relevant und es ist in der Sozialwirtschaft angekommen. Entscheidend: Soziale Organisationen sollten zunächst prüfen, welche Kennzahlen das vorhandene Controlling für dieses Thema bereitstellt und wo Nachhaltigkeit sich gut mit organisatorischen Zielen verknüpfen lässt. Dann findet sich auch der passende methodische Rahmen zur Erfassung, Darstellung und Kommunikation der Ergebnisse.


[1] Vgl. hierzu Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen 

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